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Was ist Architekturpsychologie?

Peter G. Richter (2013) definiert Architekturpsychologie in seinem Lehrbuch Architekturpsychologie. Eine Einführung „als Lehre vom Erleben und Verhalten des Menschen in gebauten Umwelten <…>. Ziel ist es, menschliches Erleben und Verhalten in diesem Kontext zu beschreiben, zu erklären, vorherzusagen und zu verändern.“ [1]

Obwohl die Architekturpsychologie mit ihrem Namen etwas anderes nahelegt, beschäftigt sie sich dieser Definition zufolge nicht nur mit Architektur im Sinne von „Baukunst“[2], sondern mit der gesamten gebauten Umwelt – ob kunstvoll oder nicht.

Das macht Sinn, denn Intention der Architekturpsychologie ist letztlich die Optimierung der Mensch/Umwelt-Beziehung unter dem Fokus des gebauten Raumes. Und man kann davon ausgehen, dass gerade bei den nicht kunstvoll gebauten Umwelten besonders viel Potential für eine solche Optimierung besteht.

Meine Schwerpunkte innerhalb der Architekturpsychologie sind:

Architekturwahrnehmung: Um den Einfluss zu verstehen, den die gebaute Umwelt auf unser Erleben und Verhalten hat, müssen wir uns mit unserer Wahrnehmung auseinandersetzen. Denn unsere Wahrnehmung ist keine automatische 1:1 Abbildung der Wirklichkeit, sondern ein selektiver, subjektiver, komplexer, konstruktiver und kreativer Akt der Teilhabe.

Der Mensch als Wahrnehmender hat Ansprüche an die gebaute Umwelt, die nachvollzogen und umgesetzt werden können. So wird belegbar und begründbar, was eine für Menschen geeignete Gestaltung ausmacht- über alle individuellen Präferenzen hinweg.

Architektur und Gesundheit: Gesundheit ist nicht gleichbedeutend mit Nicht-Krankheit. „Die Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“ So definiert die WHO Gesundheit seit ihrer Gründung 1948.[3] Die Gestaltung des gebauten Raumes kann in vielfältiger Weise zu unserer Gesundheit, zu unserem Wohlergehen in diesem Sinn beitragen. Grundlage dafür ist ein genauer Blick auf die menschlichen Bedürfnisse in ihrer Relation zu unserer Umwelt. Dieser Blick ist zugleich die Suche nach dem Warum hinter den Effekten, die in der Architekturpsychologie beobachtet wurden und werden.

 

[1] Richter, Peter G. (Hrsg.): Architekturpsychologie. Eine Einführung. Lengerich 2013; S. 21. Alle Hervorhebungen durch Peter G. Richter.

[2] Siehe hierzu z.B.: Dudenredaktion: Duden – Deutsches Universalwörterbuch; 5., überarbeitete Auflage. Mannheim 2003; S. 163.

[3] Aus der Constitution of the World Health Organization: „Health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity.“ The Constitution was adopted by the International Health Conference held in New York from 19 June to 22 July 1946, signed on 22 July 1946 by the representatives of 61 States (Off. Rec. Wld Hlth Org., 2, 100), and entered into force on 7 April 1948.” – Zitiert nach: World Health Organization: About WHO, Constitution of WHO: principles. Unter: https://www.who.int/about/mission/en/. Abgerufen am 20.2.2019.Deutsche Übersetzung (Stand am 8. Mai 2014): Verfassung der Weltgesundheitsorganisation. Unterzeichnet in New York am 22. Juli 1946. S. 1. Unter: https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19460131/201405080000/0.810.1.pdf.

Abgerufen am 20.2.2019.